Alus Lokalrunde: Holdmybeer - Sexualkunde für Mutti

Ich bin schon eine ganze Weile im „Elternaufklärungsmodusgeschäft“, seit ungefähr zehn Jahren. Erst war es die erste große Nichte, der ich mit Hilfe des Tricks ein Kondom aufzupusten bereits erklären konnte, dass der Spruch „Es geht nicht“ eigentlich nicht wirklich zählen kann. Bei der großen Nichte reichten diese Erläuterungen noch, der nächsten Aufklärungsperson musste ich schon den „Wenn er sagt das geht nicht, dann zeig ihm das hier *steckt Faust in Kondom* und wenn er dann sagt, das geht nicht, dann ist das Kondom dein geringstes Problem“ Witz erzählen um verständlich zu machen, dass Verhütung zwar eine Sache, Sex und Spaß aber eine andere Sache sein könnten. Bei unseren Kindern gehe ich, seit Jahren, sehr viel subtiler an die Thematik heran. Seit Jahren schmeißen wir kleine Fallschirme durch die Wohnung und schauen welcher der weißen Propeller mit Band am Weitesten fliegt. Dieses Hobby werden wir mit dem Preisanstieg des Luxusartikels „Monatshygiene“ leider einschränken müssen, schade!

 

Wir gehen gemeinsam mit den Kindern in die Drogerie und kaufen Hygieneartikel für alle Belange ein. Die Kinder kennen die Unterschiede zwischen Binden, Menstruationstassen und Tampons und finden den Spruch „Der Drogeriemarkt ist der Baumarkt der Frauen“ genauso dämlich wie ich. Wir reden mit ihnen auch über dieses „rumsexen“ was die Eltern da manchmal machen (und gern viel häufiger tun würden). Sie wissen wie Babys entstehen und das Sex (egal mit wem) nicht nur zum Fortpflanzen da ist. Das bedeutet nicht, dass wir zu sehr ins Detail gehen, ich versuche nur mit ihnen darüber zu sprechen was Körperlichkeit bedeutet und das mit allen Kindern gleich, egal ob vermeintlich Mädchen oder Jungen. Dafür haben sie auch schon alle meine nackten Brüste aneinander gedöngelt und mir dann erklärt, dass das so schöne Geräusche macht, oder dass ich den weichsten Po der Welt habe, was will man mehr.

 

Derzeit hat unser großes Kind in der Schule nun die ganze Themenvielfalt der „Sexualkunde“. In einem Elternschreiben wurden wir Eltern darüber informiert, nun gut. Getrennt in Mädchen und Jungs Gruppen werden dort die Themen Zyklus, Monatshygiene und Sexueller Umgang von Fachleuten erörtert und ich frage mich einfach nur: WIESO?! Ein gemeinschaftlicher Unterricht zu diesem wichtigen Themenkomplex wäre so wichtig! Meinetwegen könnte man Jungs Tampon Fallschirme durch die Gegend werfen lassen, oder sie sollten sich selbst mal ne Binde in die Hose kleben müssen, das wäre wichtig, um dieses schambehaftete Thema aus der Staubecke zu holen! Das wäre ein Schritt in Richtung geschlechtsneutraler Sexualkunde. Ich finde Selbstbefriedigung, Sextoys, Monatsblutung bei Frauen, LQTB, Mitschwangerschaften der PartnerInnen (und auch deren Hormonhaushalte), Mentalload und auch ökologische Produkte wie Rasierhobel, Periodenunterwäsche und Deo Creme könnten Themen sein.

 

Ich wäre für Umschnallbäuche und Brüste für männliche Jugendliche und Babypuppen, die nur durch eine faire Aufteilung einer Projektgruppe gedeihen könnten. Ich wäre für moderierte Gruppen, in denen man darüber spricht, was Sex und auch Schwangerschaftsabbruch körperlich bedeuten und was es mit einem als Frau macht, wenn man nicht selbst über seine Rechte entscheiden darf. Ich wäre für das Abknipsen von elektrischen Hoden als Zeichen einer Vasektomie.

 

Was unser Nachwuchs jetzt von daheim und in der Schule zu diesen Themen mitbekommt, das prägt sie ihr gesamtes weiteres Leben. Wir als Eltern (und die Bildungseinrichtungen, in die sie gehen) beeinflussen ihren weiteren Weg im Umgang mit ihrer eigenen Sexualität für den Rest ihres Lebens. Und wenn ich mir das alles hier gerade so angucke, dann sag ich es mal so: WIR MÜSSEN UNS DA ALLE MEHR ANSTRENGEN! Der YouTube Kanal „Fickt euch“ ist eine gute Option Themen anders mit Jugendlichen anzugehen, ein Vulva Kostüm nach Schulschluss kommt sicherlich auch gut, oder ihr schickt die Kinder einfach zu mir. Ich mache mit ihnen Hygieneartikelweitwurf, schnalle ihnen allen ausbetonierte Still BHS um und lasse sie so durch zu enge Türen laufen. Ich schiebe mit ihnen zentnerschwere Kinderwagen vor Treppen und lasse sie dann dort stehen und eventuell stecke ich auch nochmal meine Faust in ein Kondom und rufe „Heureka – es geht“. Außerdem veranstalten wir eine Runde Stille Post und nur mit dem Wort „NEIN“ und zeigen so, dass egal in welcher Laustärke das Wort „NEIN“ in Bezug auf Körperlichkeit immer gilt und danach basteln wir lustige Karnevalsmasken mit wedelnden Penissen und herumwackelnden Menstruationstassen.

Mir egal, Hauptsache es passiert was.

Alu